Sprachpflege




Die Rubrik SPRACHPFLEGE ist unserem Gegenwartsdeutsch gewidmet. Im Visier haben wir Spracherscheinungen, die bemerkenswert sind oder auffällig, die uns amüsieren oder ärgern, die wir für nahezu unerträglich oder für besonders pfiffig halten.
Die Belege werden vorwiegend regionalen Medien, Veröffentlichungen, Werbetexten und anderen schriftlichen oder mündlichen Äußerungen entnommen.





»Sprach-Fundstücke«





(November 2022) - Viel Geschlecht bei Personalsuche

Einst wurde als Hilfskraft ein weißer Schimmel gesucht. Viel Weiß war wohl wichtig. Viel hat sich geändert.
Jetzt ist Personal mit viel Geschlecht gefragt. Eine sächsische Hochschule sucht etwas, was sie "Kanzler:in (w/m/d)" nennt und für ein "Kanzler:in-Amt" braucht.
Ein vogtländisches Klinikum sucht "eine Medizinische Fachangestellte (m/w/d)".
Eine bayerische Große Kreisstadt sucht "eine/n Kommunalarbeiter/in (m/w/d) als Elektroinstallateur/in oder Elektromonteur/in".
Einst war Bildung ein Privileg, für viele nicht zugänglich. Viel hat sich geändert.
Jetzt steht geschrieben: "Wir leben in einer Kultur, in der jegliche Form von Bildung, von Expertise immer weniger geschätzt ist. Das hat sicher mit Social Media zu tun und einer gewissen Bildungsfaulheit."
Na und? Man formuliert seine Annoncen, wie man es gerade für richtig hält, auf eigene Art - eigenartig eben.

(Textstellen in Anführungszeichen aus: Freie Presse, 22.10.2022, Anzeigen, C3, und Menschen & Meinung, B3; Betrachtungen zum Gendern bei www.literaturgesellschaft-vogtland.de, unter "Sprachpflege", nach den "Sprach-Fundstücken")




(August 2022) - Gastraum im Gastraum

Vom Gas hatte einen besonders üblen Traum
ein Gast in einem gut geheizten Raum.
Als Hinweisgeber auf beides, den Vorfall und den Ort,
fungierte ein einziges Wort.
"Gastraum"




(August 2022) - Stimme eines Stars im Zoo

Die Freie Presse ließ verlauten: "Star leiht Falkensteiner Zoo seine Stimme". Dass deswegen eine Lerche verstimmt und ein Kuckuck verstummt seien, das ist wahrlich eine Ente. Aber Elefant, Tiger und Co. sind mucksmäuschenstill beim Wohlklang der Stimme des Stars Christian Steyer (Schauspieler und Synchronsprecher).




(Juli 2022) - Königin Elizabeth II.

Die 96-Jährige fasziniert Günstlinge, Verehrer, Beobachter und nicht zuletzt Vertreter der schreibenden Zunft gleichermaßen. Um Rekorde und Alleinstellungsmerkmale der Queen sprachlich widerzuspiegeln, reicht hinlänglich bekannter Wortschatz nicht. Es bedarf spezifischer, verheißungsvoller Wortschöpfungen. Vorgestellt seien drei, der Presse entnommene, plastisch-drastische, hinreichend amüsante Sprachkreationen:
"Thron-Dauerhockerin", "Grüßtante des Königreichs", "plüschiges Überbleibsel des 20. Jahrhunderts".




(Juli 2022) - »Eingefleischt«

Unter den Gästen einer Fernsehsendung befanden sich ein Koch (dem Fleisch sehr zugetan) und auch Genießer rein fleischloser Kost. Für Heiterkeit in der geselligen Runde sorgte die Titulierung "eingefleischter Vegetarier". Kann diese Bezeichnung allerorts unbekümmert verwendet werden, oder könnte sie sich gelegentlich als Fettnäpfchen erweisen, das man unbedingt umgehen sollte?




(Juli 2022) - Wort-Wahl-Debakel

Nach der Wahl wurde in der Presse mitgeteilt:
"Das Ergebnis hat gezeigt, dass man weder eine Frau als Landrätin haben will, noch jemand, der nicht konservativ ist. Man soll sich hinterher nicht aufregen. Man kriegt jetzt das, was man gewählt hat." - Kriegt man jetzt einen Mann als Landrätin?




(Juni 2022) - »Angestellt«

Wie in der Presse nachzulesen, war ein Kandidat für ein Amt einst "angestellter Steuerfachangestellter". Gesetzt den Fall, dass ein Angestellter etwas anstellt, was dazu führt, dass er "abgestellt" wird - wäre er dann ein "abgestellter Angestellter" oder ein "angestellter Abgestellter"? Eigentlich ist das egal, Hauptsache er hätte nach wie vor eine Anstellung.




(April 2022) - »Wortgigant«

In der Duden-Ausgabe 2020 heißt es: "Die 10 längsten Wörter im Rechtschreibduden bestehen aus mindestens 32 Buchstaben." In der (laut Duden) "Top-Ten-Liste" dieser "Wortgiganten" fehlt eine im Vogtland wichtige, von der Freien Presse am 31.03.2022 ins Licht gerückte Bezeichnung: Metallblasinstrumentenmachermeister.

Ist es nicht gigantisch, dass man im Deutschen mit 35 Buchstaben darlegen kann, wer mit welcher Qualifikation was aus welchem Material herstellt? Und mit einer Worterweiterung um nur 29 Buchstaben kann sogar ein Hinweis auf ein respektables Dokument gegeben werden, auf das
Metallblasinstrumentenmachermeisterqualitätserzeugnisverzeichnis.




(März 2022) - »Wer macht was?«

Friederike Caroline Neuber wurde vor 325 Jahren in Reichenbach /V. geboren. Ihr zu Ehren finden 2022 mehrere Veranstaltungen statt.
Ein Steppke las den Titel eines Festprogramms: "Ein Frauenzimmer macht Theater".
Neugierig geworden, fragte er: "Ist das unsere Nachbarin? Weil, also mein Vater, der sagte: ´Die Olle macht Krach!'"




(Januar 2022) »Das ist der Hammer: Bücherei verleiht Werkzeug«


Kann es sein, dass die Meldung einer Tageszeitung unter dieser Überschrift Verwunderung auslöste? Aber nein!
Schon Goethes Faust, der Verzweiflung nahe, den Umständen nur mühsam trotzend, sinnierend nach Auswegen suchend, hatte die erlösende Eingebung für einen Neuanfang. Nicht das Wort, den Sinn und die Kraft muss man schätzen, dies kann man alles ersetzen.
Ihn motivierte der Rat: »Im Anfang war die Tat!«
In der Tat, Hammer-Werke hämmerten schon lange, als ihnen, der geistigen Ertüchtigung wegen, Büchereien zugeschlagen wurden. Aber die kamen, schon vor Jahren, unter den Hammer. Jetzt ist es an der Zeit für neue Normen, um Geist und Talent zu formen. Statt Bücher ohne Ende gehören in die Bibliotheken andere Instrumente. Robustes Rüstzeug, nicht bedrucktes Papier, bringt uns voran - auf dem Weg vom Land der Dichter und Denker zu einem Ländle der Behämmerten.



(Januar 2022) - »Nadelstiche«

Besorgt fragte die Mutter: "Ist Dein Ehemann auch so ein Impfgegner?"
"Ganz im Gegenteil", antwortete die ein wenig gepiesackt wirkende Tochter.
"Er hat sich impfen lassen und lässt keine Gelegenheit aus, selbst zu sticheln."




(Dezember 2021) - »Bock(ig)«

Einem Lehrer, der oft von schöner Sprache schwärmt, machte ich ein Geständnis.
Eine große, fette Zeitungsüberschrift vor Augen, äußerte auch ich: "Arbeit macht mir mega Bock".
Des Lehrers Reaktion klang (r)echt bockig:
"Es macht mega Arbeit, modernistischen Sprech vom Bock zu holen."




(November 2021) - »Gleichberechtigung, Diskriminierung, Gendern«

Beim Leserobmann der Freien Presse aufgeschnappt und folgendermaßen verknappt:
- Eine Zeitungsüberschrift lautete: "Wenn Opa am Steuer zum Risiko wird".
Einer ärgerte sich darüber und fragte empört: "Und was ist mit Oma?"

- Historisch wertvolle Kunstwerke erhalten wegen ihrer vermeintlich/mutmaßlich rassistischen oder diskriminierenden Titel neue Bezeichnungen.
Eine Frau war verwundert.
Und verschmitzt teilte sie mit: "In meinem Garten steht ein lustiger kleinwüchsiger Mann."

- Eine Leserin witzelte:
Genderbewusst bestellt eine Gästin eine Radlerin. - Und was sagt der Wirt? -
"Tut mir leid, aber das Zapfhuhn ist leider defekt."




(September 2021) - »Quatscher*Innen«

In einem Gastkommentar im Vogtland-Anzeiger erinnerte Landrätin Martina Schweinsburg an alte Zeiten: » ... da war Deutschland das Land der Dichter, Denker und Wissenschaftler.«
Deren Wortschatz reicht heutzutage nicht mehr. Man greift nach Sternen, bastelt Himmelskörpern ähnelnde Gebilde an bewährtes Wortgut, verspricht sich davon heilbringendes Glitzern. Es entstehen kaum verständliche und nur mit Mühe aussprechbare Wortgefüge. Dennoch vermehren sich die Gendersternchen und andere Stricheleien ständig - während und weil Sprachbildung und Sprachverständnis vom alltäglichen Sprachmischmasch aufgesogen werden. Publiziert wird, dass grammatisch männliche Wörter für die Benennung natürlicher Weiblichkeit und geschlechtlicher Andersartigkeit nicht mehr taugen. Die jedes Geschlecht bezeichnenden männlichen Substantive müssen deshalb verformt werden. Eine öffentlich-rechtliche Begründung dafür lautet:
»Unser Anspruch ist es, Frauen sprachlich dort sichtbar zu machen, wo sie es bisher nicht sind.«
Also ist es geboten, Quatsch von sich Gebende nicht mehr geschlechterübergreifend, neutral als Quatscher, sondern zeitgemäß korrekt, geschlechtererhellend als Quatscher*Innen zu bezeichnen - sogar Dichtern, Denkern und Wissenschaftlern zum Trotz.




(September 2021) - »Besonderheit unserer Zeit«

Der Sprache wird je nach individuell geprägter Ansicht unterstellt, dass sie sich positiv oder negativ entwickle. Doch sie überträgt nur in Wortformen gekleidete Gedanken. Was als Entwicklung bezeichnet wird, sind Sprachveränderungen als Folge der durch Menschen vollzogenen Anpassung ihrer Sprache an Neues im Lebenswandel.
Zu den Besonderheiten unserer Zeit gehört es, auch Unsinnigem Beachtung zu schenken und mit solchem Kompromisse einzugehen. Was sich daraus ergibt, gilt als entwicklungsbedingt erforderlich und wird mit dem Prädikat "zeitgemäß korrekt" versehen.




(Juli 2021) - »Brisant«

... informiert nachmittags über Aktuelles, Tragisches, Prominente. An einem Freitag ging es in einem Beitrag um Brandstifter, und es wurde mitgeteilt, dass jede zehnte Täterin eine Frau sei. Zur Sprache kamen auch Benachteiligungen, worüber weibliche Künstlerinnen klagten. Dies alles vernehmend, begann ein weißer Schimmel zu wiehern. Leidlich erheitert hat ihn die Scherzfrage, ob Männer Bundeskanzlerin werden könnten. Und fast ein wenig erstaunt, aber erfreut nahm er zur Kenntnis, dass eine bekannte Schlagersängerin nicht als Lerche oder Meise, sondern in bewährter Weise wie männliche Publikumslieblinge als "Star" bezeichnet wurde.




(Juli 2021) - »Vernunft im All«

Außerirdische, würden sie Wesen beobachten, die sich gegenseitig bekriegen und die Natur zerstören, sie würden wohl weiterfliegen. Das vermutet, laut Pressemitteilung, einer mit kritischem Blick auf das Treiben der Menschheit - der Astronaut Alexander Gerst.




(Juni 2021) - »Wort des Jahres?«

Für Gesprächsstoff sorgte bei einer Fernseh-Talkrunde die wohl jüngste Wortschöpfung: »sich emporirren«. Virologen und andere Corona-Pandemie-Diagnostiker stellten über das Virus Mutmaßungen an und irrten. Sie mutmaßten von neuem und irrten wieder, mutmaßten wiederholt, irrten - aber auf diese Weise schnellte ihr Erkenntnisstand empor.
»Sich emporirren« ähnelt den von der Sprachdiagnostik mit dem Hinweis »derb« versehenen Ausdrücken »sich fettfressen« oder »sich vollsaufen«.
Diese Wörter verheißen allerdings keinen geistigen Zugewinn, sondern körpereigenen, stufenweisen, bedrohlichen Anstieg des Gewichts und des Alkoholpegels.
Insofern ist der Vergleich mit »emporirren« mutmaßlich irrwitzig.




(Mai 2021) - »Der Naseweis«

Je mehr Nachrichtensprecher, Moderatoren, Diskutierende gendern und je mehr Hinhörende die Nase darüber rümpfen, desto reizvoller werden Antworten auf folgende Fragen:
Dürfen alle über den Genderwahn lästernde Nasenträger etwas hochnäsig, aber nicht unfreundlich als »Naseweis« zurechtgewiesen werden? Oder muss den vorlaut-kessen Nasenträgerinnen eine spezifische Etikettierung, wie die »Naseweise« oder die »Naseweisin«, zuteil werden?
Und es offenbart sich ein weiteres Sprachdilemma. Den diese Begriffe prägenden Wortteil »Nase« bewerten auf Korrektheit erpichte Sprachwächter als anrüchig. Denn das gesichtsformende Accessoire »Nase«, und das lässt sich nicht bestreiten, kann Verunglimpfendes bezeichnen, wie »Riechkolben« oder »Zinken«, also beleidigend sein. Zwangsläufig müsste »Naseweis« dem nicht zeitgemäßen Wortgut zugeordnet und künftig ersetzt werden - durch das erfreulicherweise geschlechterneutrale, spitzzüngige »Lästermaul«.




(Mai 2021) - »Die Saubermänner«

Der Bitte, einen Zeitungsartikel vorzulesen, kam ich gern nach. Die anfangs flüssige Textwiedergabe geriet jedoch in ein Desaster bei der Deutung und Wiedergabe der Stelle »Partei der Saubermänner und -innen«.
Blitzschnell kapierte ich, dass mit »-innen« nicht das Gegenteil von »außen« gemeint sein kann. Aber es fehlte ein Geistesblitz für eine geeignete »-innen«-ans-Wort-Montage. Ich schwankte zwischen »Saubermännerinnen« und »Sauberinnen«, zog in Erwägung, »-innen« mit einem Sprechpäuschen nach »Saubermänner« oder nach »Sauber« anzulauten. Eigentlich, so kommt es mir vor, ist sprachlich neuerdings alles richtig, was Geschlechtertrennung befeuert. Deshalb ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis die Bezeichnung »Menschen« für solche weiblichen Geschlechts ausgedient hat. Zwischen Bürgerinnen und Bürgern wird schon sauber unterschieden. Insofern sollte das altbackene »Menschen« nach obigem Saubermänner-Muster aufgehübscht werden durch »Menschen und -innen«
Unsinn? Hoffentlich!




(Mai 2021) - »Mittelzentral«

Zwei Zeitungen informierten die Vogtländer über einen Brief an eine sächsische Behörde. Die Absender des Schreibens sind Protagonisten des »Mittelzentralen Städteverbundes (bzw. Städteverbandes) Göltzschtal«. Ob die Städte an der Göltzsch miteinander verbunden oder verbandelt sind, sei dahingestellt.
Ins Grübeln kommt man bei dem Wort »mittelzentral«. Rätselhaft bleibt, ob die längs des Flusslaufes verketteten Orte künftig eine Mitte in einem Zentrum oder ein Zentrum in einer Mitte haben oder etwas Derartiges bilden oder ob mittels »mittelzentral« irgendetwas Anderes übermittelt werden soll.
Dem darüber Sinnierenden drängte sich eine Frage auf: Wäre es ein Verlust, wenn das in den Bündnisnamen eingebastelte Adjektiv vom Wasser der Göltzsch weggespült würde?




(April 2021) - Mit Neusprach zum Bildungstag!

Der Zuschrift eines Freundes der deutschen Sprache ist zu entnehmen, dass die GEW Sachsen (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) zu einem Bildungstag einlädt und appelliert:
»Ein Muss für jede/n Pädagog*innnen«.

Ein Pädagog fragt sich: Ist das »geschlechtergerechte Sprache« und grammatisch ein Genuss oder Stuss?




(April 2021) - Sollen Tierärzte gegen Corona impfen?

Der »Vogtland-Streicher« befürwortet das und stellt eine Impf-Kandidaten-Liste auf. Ihr entnommen sind:
Himmelhund, Sauhund, Schweinehund, Schweineigel, Schweinepriester, Hornochse, Mondkalb, Neidhammel, Honigkuchenpferd, Bürohengst, Frechdachs, Hamsterbacke, Kanalratte, Dreckspatz, Schluckspecht, Bordsteinschwalbe, Anstandswauwau.

Zu beachten ist auch in Coronazeiten das Tierwohl.
Widerfährt den Tieren Artgerechtigkeit, wenn sie zur Charakterisierung eines solchen Personenkreises herangezogen werden?




(März 2021) - Kakophonie statt Kommunikation:

Ein Redakteur schrieb in seiner Kolumne: »Man hört nur die bekannte Kakophonie der Berliner Politik mit den üblichen Missklängen und Unstimmigkeiten.«
Hinzugefügt sei: Nicht nur in Berlin und nicht nur in der Politik ergreifen Kakophoniker geltungssüchtig das Wort.


(Januar 2021) - Neu im Wortschatz:

Mit neuen Impfstoffen gewinnen auch zwei Wörter an Bedeutung: VERIMPFEN und DURCHIMPFEN. Dem aktuellen Duden (28. Auflage, 2020) sind diese Verben nicht einverleibt. Eingefügt wurde ihm aber bereits die DURCHIMPFUNGSRATE. Nicht erspart bleibt dem Regelwerk wohl künftig der Eintrag IMPFCHAOS.


Zungenbrecherisches Wortungetüm im Bericht einer Regionalzeitung:

»Alkoholkonsumverbotspolizeiverordnung«
Wem dieses 37-Buchstaben-Wort nicht mehr verständlich und flott von der Zunge über die Lippen ins Freie flutscht, der sollte schleunigst den städtischen Null-Promille-Bereich verlassen.


- Das ungewisse Geschlecht

Eine selbsternannt »moderne, zukunftsorientierte öffentliche Verwaltung« gibt ein Amtsblatt heraus. Darin schaltete sie kürzlich, auf der Suche nach engagiertem Personal, eine Anzeige. Zehn offene Stellen wurden angeboten, zum Beispiel:
Amtsärztin/Amtsarzt (w/m/d),
Revierförsterin/Revierförster (w/m/d),
Sachbearbeiterin/Sachbearbeiter Kultur (w/m/d).

Ein potentieller Bewerber ist verwirrt. Wird er mit seinem Geschlecht den Anforderungen einer modernen, zukunftsorientierten Verwaltung gerecht? Ist er doch nur männlich, nicht auch noch weiblich und divers. Gilt (w/m/d) nur für ihn oder auch für die Mitbewerberin?


- Eine MDR-Moderatorin gestand während ihrer Erkundungstour freimütig:

»Jetzt muss ich aber runter vom Bock, auch wenn es mir schwerfällt.«


- Eine Offensivaktion mit Schmackes

Im Länderspielbericht einer in der Region gern gelesenen Tageszeitung wurden zwei Nationalspieler für einen gelungenen Spielzug gelobt: »Robin Gosens ... überzeugte durch die gute Vorarbeit für Timo Werner, der die Kugel wuchtig ins Tor schiss. Danach vergingen aber viele Minuten ohne nennenswerte Offensivaktionen des DFB-Teams.«


- Eine Zeitungsmeldung aus dem Oberen Vogtland trug die Überschrift: »Hurra! Es gibt Körbe!«

Was wurde da eigentlich bejubelt? Die Einheimischen vernahmen die Nachricht mit Freude, denn sie dürfen nun doch feiern: die Kirmes (Kirchweih).


Liebe Leserin, lieber Leser, hier ist Platz für die Veröffentlichung Ihrer »Sprach-Fundstücke«.
Gern nehmen wir auch Ihre »Sprach-Fundstücke« entgegen (bitte möglichst mit Quellenangabe).
Adresse: info.literatur@gmx.de




»Sprach-Betrachtungen«





(August 2022)Männliche Substantive als Bezeichnungen für Menschen jeglichen Geschlechtes
"Sie jobbten als Nachtwächter und Krankenschesterin."
Diesen Satz aus einer Tageszeitung übermittelte ein Leser an eine Satirezeitschrift mit folgender Bemerkung:
"Besser: ´Nachtwächternde und Krankinnenschwesterin´?" Trotz der ironisch formulierten Kritik an der sogenannten geschlechtergerechten Sprache drängt sich die Frage auf, inwieweit in den Medien männliche Substantive durch Dopplungen mit -in, -innen, auch mit Zusatzzeichen verändert oder durch substantivierte Partizipien ersetzt werden. Eine Stichprobe (Auswahl thematisch unterschiedlicher Beiträge aus: Freie Presse, 21.06.2022, Redaktion Auerbach /V.) enthielt die folgenden Substantive männlichen Geschlechts:
Absolventen, Akteure, Anwohner, Auerbacher, Autofahrer, Bewohner, Bürger, Darsteller, Einwohner, Fahrgäste, Gäste, Gastgeber, Hauptschüler, Impfgegner, Kandidaten, Krebspatienten, Mediziner, Mitarbeiter, Nutzer, Partner, Patienten, Reichenbacher, Röthenbacher, Schüler, Trainer, Übungsleiter, Wissenschaftler
Mit dem grammatischen Geschlecht (dem generischen Maskulinum) dieser Substantive der Textauswahl werden Personen oder Personengruppen unterschiedlichen biologischen Geschlechtes bezeichnet. In den übermittelten Informationen spielen Sexualität oder sexuelle Orientierung keine Rolle, finden deshalb keine Erwähnung. Das verkürzt den Text. Niemand wird bevorzugt oder ignoriert. Die Textverständlichkeit ist gewährleistet, die Lesbarkeit nicht beeinträchtigt.
Wie in der Stichprobe sollte das generische Maskulinum, dem traditionellen Sprachgebrauch folgend, wie generisches Femininum und Neutrum uneingeschränkt verwendet werden. Wer wegen des wohl hauptsächlich akademisch-administrativen Trends zum Gendern verunsichert ist und sich fragt, ob er historisch gewachsenen Sprachgebrauch bevorzugen solle oder sich sprachliche Elemente, die vermeintlich zur Gleichstellung der Geschlechter beitragen, zu eigen machen müsse, der kann sich von einer Empfehlung Martin Luthers leiten lassen.
Der Bibelübersetzer gab den Rat, dem Volke aufs Maul zu schauen.





(Juli 2021) - Geschlechtergerechte Sprache
These: Das Gendern ist ein Eingriff in die Sprache ohne sachdienliche Wirkung.

Sache: Reduzierung der Defizite bei der Gleichberechtigung und Gleichstellung der Frauen
Eingriff: Beim Gendern wird männlichen Substantiven die generische Funktion (Verwendung für weibliche und männliche Personen) entzogen, d.h., sie werden reduziert auf die Bezeichnung von Männern. Die vom generischen Maskulinum ebenfalls erfassten Menschen weiblichen (und anderen) Geschlechts werden abgesondert, indem durch Anfügen von in weibliche Substantive gebildet werden (der Bürger, die Bürgerin; der Wähler, die Wählerin). Mit Hilfe von Leer- bzw. Sonderzeichen entstehen generisch verwendbare Pluralformen, wie die Bürger innen, BürgerInnen, Bürger*innen, Bürger:innen. Im Gegensatz zum generischen Maskulinum bleibt dem generischen Femininum, Neutrum und Plural die Funktion der geschlechterübergreifenden Bezeichnung erhalten.
Deshalb können diese zur Vermeidung von Wortwiederholungen in Reden und Texten genutzt werden (die Bürger*innen - die Bürgerschaft, das Bürgertum, die Bürgerlichen). Eine weitere Möglichkeit, das generische Maskulinum zu vermeiden, besteht darin, das zum Substantiv gehörende Verb in ein Partizip zu verwandeln (der Student - studieren - studierend; der Teilnehmer - teilnehmen - teilnehmend) und das Partizip zu substantivieren (der, die / die Studierende/n; der, die / die Teilnehmende/n).
Noch nicht etabliert haben sich substantivierte Partizipien bei der Bildung von Zusammensetzungen (Studentenclub - Studierendenclub). Bei Stellenangeboten wird durch einen zusätzlichen Hinweis auf den generischen Charakter des männlichen Substantivs aufmerksam gemacht: Mitarbeiter (w/m/d) gesucht.

Sachdienliche Wirkung: Die gesellschaftliche Entwicklung im letzten Jahrhundert brachte eine verstärkte Integration der Frauen in alle Lebens- und Tätigkeitsbereiche mit sich. Das veränderte auch den Sprachgebrauch, indem viele maskuline Substantive zunehmend nicht mehr nur zur Bezeichnung von Personen männlichen Geschlechts dienten, sondern generisch Verwendung fanden. War früher beispielsweise der Bildungs- und akademische Bereich weitgehend den Männern vorbehalten, hat sich der Anteil von Abiturienten, Studenten, Hochschullehrern, Wissenschaftlern weiblichen Geschlechts in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wesentlich erhöht. Wurde in der DDR von Lehrern, Ingenieuren, Ärzten gesprochen, ging es vielfach undifferenziert um Aussagen über Zugehörige männlichen und weiblichen Geschlechts. Diese Zuordnung unter einer Bezeichnung ist aber kein Beleg für Gleichberechtigung oder Gleichstellung. Umgekehrt ändert die sprachliche Trennung der Geschlechter durch das Gendern nichts am prozentualen Anteil der Frauen in hochdotierten und Führungspositionen. Das generische Maskulinum ist nicht mehr und nicht weniger als der sprachliche Beleg für Integration von Frauen und Personen diversen Geschlechts - ohne weitergehende Hinweise, ohne Angaben über Quoten, Stellung in Hierarchien, Entlohnung. Im Duden - Das große Wörterbuch der deutschen Sprache, 1994, ist Integration u.a. definiert als Einbeziehung, Eingliederung in ein größeres Ganzes).
Substantive im generischen Maskulinum, Femininum, Neutrum und Plural stellen Personen unterschiedlichen natürlichen Geschlechts sprachlich gleich. Sprachliche Gleichstellung ist vollzogen, wenn Bezeichnungen, wie Facharbeiter, Fachkraft, Fachpersonal, Fachleute, als sinnverwandte Varianten für alle Geschlechter verwendet werden, wenn Frauen wie Männer mit dem Wort Experte (Maskulinum) bezeichnet, als Persönlichkeit (Femininum) gewürdigt, beide dem Kreativpersonal (Neutrum) zugerechnet werden und als Fachleute (Plural) Anerkennung erfahren.
Geschlechterbezogene sprachliche Differenzierung ist weder ein zeitgemäßer Impuls noch ein geeigneter Weg zur Reduzierung von Ungleichbehandlung. Die sprachliche Trennung der Geschlechter steht im Widerspruch zu der auch durch Emanzipationsbewegungen bereits vollzogenen Anpassung der Sprache an die gesellschaftliche Entwicklung. Bei der Verbreitung vieler Informationen erübrigen sich in unserer Zeit Erhellung oder Betonung des Geschlechts. Mit zunehmender Gleichstellung und Gleichberechtigung sollte das Gendern reduziert und nicht, wie gegenwärtig zu verzeichnen, ausgeweitet werden.
Dopplungen wie Bürgerinnen und Bürger erhöhen den Anteil der Füllwörter in Reden und in Texten. Sie verschaffen dem Redner Zeit zum Nachdenken bei der Beantwortung von Fragen und füllen oder vermehren dem Schreiber die Textzeilen. Zur Herstellung der Gleichberechtigung oder Gleichstellung tragen sie so viel bei wie ein Äh oder Also in einem spontanen Redebeitrag.





(April 2021) - Weiblich, männlich, divers - sprachlich gleichgestellt

Eine Pressemitteilung unter dem Titel »39 Hausärzte stehen fürs Impfen in den Startlöchern« ist ein Beleg dafür, dass genderfreie Sprache niemanden bevorzugt oder benachteiligt.
Der Artikel enthält folgende Substantive, die Personen bezeichnen oder Personen- bzw. Personalbezeichnungen einschließen:
Anwärter, Ansprechpartner, Hausärzte, Hausärzteverband, Hausarztpraxis, Impfkandidaten, Mitarbeiter, Patienten, Patienteneinschätzung.
Das grammatische Geschlecht (Genus) der personenbezeichnenden Substantive ist männlich. Das biologische Geschlecht (Sexus) der bezeichneten Personen kann weiblich, männlich, divers sein, ist aber für die Informationen, die im Artikel verbreitet werden, belanglos.
»Beispiel: Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes sieht »den größten Vorteil am Einbinden der Hausärzte darin, dass für viele Patienten die Wege kürzer werden und sie einen vertrauten Ansprechpartner haben.«
Jeder Leser weiß, dass es unter Ärzten, medizinischen Mitarbeitern wie unter Patienten sowohl Frauen als auch Männer und Diverse gibt. Die hier praktizierte Verwendung grammatisch männlicher Substantive für die Bezeichnung von Personen unterschiedlichen Geschlechts entspricht dem historisch gewachsenen Sprachgebrauch und dem zeitgemäßen Sprachverständnis, zeugt von sprachlicher Gleichstellung.
Wie im vorliegenden Pressebeitrag ist In vielen Nachrichten und Meinungsäußerungen das Gendern unnötig.





(April 2021) - »Geschlechtergerechte« Sprache

Mit Verwunderung und Unverständnis nehme ich immer wieder zur Kenntnis, dass im 21. Jahrhundert in Deutschland Bezeichnungen, die sich auf Menschen beziehen, wie Mitarbeiter, Kunden, Besucher, Leser u. Ä., mit Zusätzen versehen werden, um darauf hinzuweisen, dass sich unter den Benannten auch Menschen weiblichen Geschlechts befinden.
Heutzutage sind in nahezu allen Lebensbereichen - in Unternehmen, Behörden, Ministerien, Institutionen, Bildungsstätten, Sozialeinrichtungen u.a. - Frauen vertreten. Insofern erübrigen sich Medienberichte folgender Art:
Die Bundeskanzlerin führte mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten Gespräche.
In Fortsetzung der Nachricht heißt es: Sie beriet mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten über Corona-Maßnahmen.
Und die Meldung schließt etwa so: Die Kanzlerin, die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten haben mehrere Beschlüsse gefasst.
Berichterstattung dieser Art nimmt zu. Vernünftig betrachtet, ist die ausufernde inhaltslose »Genderei« nur Zeit-, Platz-, Geldverschwendung. Eine sogenannte »geschlechtergerechte Sprache« kann nicht herbeiführen, was Emanzipationsbemühungen nicht erreicht haben, nämlich den Frauen in vielen Wirkungsbereichen Wege zu angemessener Teilhabe und Vergütung zu ebnen.
Außerdem: »Gendern« ist vielfach unzeitgemäß, weil sich Wortinhalte auf Grund sozial-gesellschaftlicher Entwicklungen des letzten Jahrhunderts ebenfalls verändert haben und nicht mehr den Zeiten entsprechen, in denen Bürgermeister, Parteivorsitzende, Minister, Kanzler, sogar Wähler u.v.a. ausschließlich Männer waren. Im heutigen Sprachalltag bezeichnen nur wenige maskuline Substantive echte Männerdomänen. Bezeichnungen wie Bürger, Einwohner, Mieter, Teilnehmer, Zuschauer usw. stellen Menschen - ungeachtet von Geschlecht, Herkunft, Religion - gleich, sind vereinbar mit emanzipatorischen Bestrebungen, geben sowohl Realität als auch Ideale zivilisierten Zusammenlebens wieder.

Diese Anmerkungen betrachte ich als Beitrag zum Meinungsaustausch über das Thema »Gendern«. Weitere Beiträge von mir zu dem Thema: »Das ungewisse Geschlecht« (Sprach-Fundstücke, s.o.), »Die Frauenquote in der Sprache« (Sprach-Betrachtungen, s.u.), »Der kleine Unterschied«
(s. Aktuelle Literatur - eingesandte Texte, F. Spitzner) - von Dr. Frieder Spitzner





(März 2021) - »Urlaub im Vogtland«

Wenn Sie in einer kulturell vielfältigen, familienfreundlichen und landschaftlich reizvollen Gegend Urlaub machen möchten, dann kommen Sie ins Vogtland. Lassen Sie sich nicht abschrecken von Werbebotschaften, in denen Ihnen als Teil des Sinusmilieus Destinationsstrategien zur zielgruppenspezifischen Marktpositionierung des Vogtlandes vorgestellt werden. Das Vogtland wird laut Strategiepapier beworben unter der Marketing-Dachmarke »Sinfonie der Natur« mit folgenden drei Schwerpunkten:
- Klangvoll kultiviert Kultur erleben,
- Natürlich gesund Natur spüren,
- Familiär gewachsen - Familie leben
.
Das sind laut Bericht über die touristische Vermarktung auch den Rahmen der Destinationsentwicklung bildende Eckpunkte.
Was verbirgt sich unter der Schminke dieser sprachlich gesalbten institutionellen Bekanntmachungen? Vermutlich ist doppelt Gemoppeltes, wie »kultivierte Kultur«, »natürliche Natur« und »familiäres Familienleben«, nicht beabsichtigt, und das Wortgefüge tagestouristische Aufenthaltstage ist kein echtes gemischtes Doppel. Es zeigt sich: Sprache ist ein kompliziertes Phänomen, und sprachliches Sezieren branchenspezifischer Kodes ist mühselig und verpufft nicht selten. Deshalb beschränken wir uns auf die wohlwollende und für jeden verständliche Empfehlung:
Bereisen Sie das Vogtland und lassen Sie sich von der Fülle regionaler Besonderheiten überraschen!

(Das kursiv gedrucktes Vokabular wurde im Februar 2021 einem Zeitungsbericht entnommen.)





»CORONA« (siehe Pressebeitrag »Corona liebt den Bindestrich« - Vogtlandanzeiger vom 22.8.2020)
 
Thema
 
Inhalt
 

(1) Verbindungen nach dem Muster »Corona-Substantiv«











Seit einigen Monaten breitet sich das Wort CORONA in den Medien und in der allgemeinen Kommunikation unaufhaltsam aus. Laut Duden abgeleitet von Korona (griech., lat.: Kranz, Krone; in Kunstwissenschaft: Heiligenschein; in Astronomie: Strahlenkranz um die Sonne), bezeichnet Corona umgangssprachlich eine Viruserkrankung.
Substantive unterschiedlichster Bedeutung (vorwiegend Abstrakta) lassen sich fast uneingeschränkt mit Corona verbinden - ein Zeichen für die Anpassungsfähigkeit unseres Wortschatzes. Siehe über 150 Beispiele, notiert von Juni bis Ende August 2020:

 

CORONA - ...

-Abstandsregeln, -Abstinenz, -Alarm, -Ambulanz, -Ampel, -Ansteckungsgefahr, -Antikörper,-Antikörpertests, -App, -Appell, -Auflagen, -Ausbrüche, -Ausgaben;
-Bedingungen, -Beschluss, -Beschränkungen, -Bestimmungen, -Betten, -Bilanz, -Bonus, -Brennpunkt, -Bußgelder;
-Comeback, -Comeback, -Crash;
-Daten, -Demo, -Demonstration, -Diktatur, -Drama;
-Einbrüche, -Eindämmung, -Einschränkungen, -Ensemble, -Erscheinungen, -Experiment;
-Falle, -Fälle, -Fallzahlen, -Fehlinformationen, -Festnahmen, -Folge, -Forscher, -Forschung;
-Gästelisten, -Gefahr, -Gegner, -Gerüchte, -Grenzwert, -Gruppe;
-Helden, -Hilfe, -Hilfspaket, -Hilfsprogramm, -Hotline, -Hotspot, -Hygieneregeln;
-Impfung, -Impfstoff, -Infektionen, -Infektionsketten, -Infektionswelle, -Infektionszahlen, -Infizierte; -Jahr;
-Kanzlerin, -Kinderbonus, -Kontaktdaten, -Kontrollen, -Konzert, -Krise, -Krisentreffen, -Kritiker, -Kundgebung;
-Lage, -Land, -Leugner, -Lockdown, -Lockerungen;
-Masken, -Massenausbruch, -Maßnahmen, -Mehrfachinfektion, -Monate, -Motto;
-Nachverfolgung, -Nebenwirkungen, -Neuinfektionen, -Notbremse, -Notfallregelung;
-Ordnungskräfte;
-Pandemie, -Panne, -Party, -Patient, -Patriotismus, -Pause, -Pflichttest, -Plan, -Politik, -Pressekonferenz, -Proteste;
-Quarantäne;
-Regeln, -Reisewarnung, -Risiko, Risikogebiet;
-Schnelltest, -Schock, -Schutz, -Schutzmasken, -Schutzmaßnahmen, -Schutzverordnung, -Schutzvorschriften, -Schwerpunkt, -Sicherheitsmaßnahmen, -Situation, -Sommer, -Sorgen, -Stationen, -Statistiken, -Stau, -Stillstand, -Strategiewechsel, -Studie, -Sünden, -Sünder, -Symptom;
-Tester, -Testpanne, -Testpflicht, -Tests, -Teststation, -Testung, -Testzentren, -Ticker, -Tod, -Topf, -Tote, -Träger;
-Ungewissheit, -Urlaubsärger;
-Verlauf, -Verordnung, -Verschwörungstheorien, -Virus, -Vorsicht;
-Warn-App, -Warnwert, -Welle, -Wirrwarr, -Wörter, -Wunderheilmittel, -Wut;
-Zahlen, -Zeit, -Zwangspause

Viele der verzeichneten Substantive wurden im Singular und im Plural registriert. Vor allem einsilbige, aber auch mehrsilbige Substantive werden nicht selten ohne Bindestrich (-) mit Corona verknüpft (Coronatest, Coronavirus, Coronademonstration). Coronaverbindungen mit zwei Substantiven werden mit und auch ohne Bindestrich geschrieben (Corona-Impfstoff-Forschung; Coronavirusträger). Auffällig ist, dass außer coronaabhängig und coronabedingt attributive Bildungen, wie coronagetestet, coronainfiziert, coronageimpft, coronageheilt, coronageschützt, in den Medientexten kaum oder (noch) nicht nachweisbar sind.
Die Wortzusammensetzungen mit Corona verweisen in Kurzform auf Umstände und Vorgänge im Zusammenhang mit dem Krankheitsverlauf.



 

(2) Anmerkungen zur Sachbezogenheit von Namensgebungen im Vogtlandkreis




Kurzformen wie Überschriften, Titel, Namen, gern als Werbebotschaften verwendet, sollen Kaufinteresse wecken oder Publikum in Kultur-, Gast- und Sportstätten locken. Werden dafür allenthalben aus der Fülle sprachlicher Mittel die sachdienlich effektvollen genutzt? Angesichts folgender Beispiele sind Zweifel angebracht.

 

(1) Im Vogtland gibt es mehrere Arenen, zwei davon in Auerbach: Die »SchlossArena«, eine günstig in Zentrumsnähe gelegene Mehrzweckhalle, und die »Arena zur Vogtlandweide«.

Diese haben Fußballenthusiasten auf- und ausgebaut. Eine Kleinstadtmannschaft behauptet sich seit Jahren in diesem Stadion außergewöhnlich erfolgreich gegen traditionelle Großstadtvereine mit Höchstligaerfahrungen.
Der Name für das Stadion wurde erst kürzlich vergeben.
Medien informierten mit folgendem oder mit ähnlichem Wortlaut:

In Auerbach wird jetzt auf der »Vogtlandweide« gekickt. Das Dudenlexikon definiert:
»Weide« - grasbewachsenes Stück Land, auf dem das Vieh weiden kann.

(2)Die »Sparkasse Vogtland Arena« in Klingenthal ist keine Spielstätte für Provinzamateurfußball, was vom Namen her nicht auszuschließen wäre.

Nein, diese »Arena« ist dem Skisport vorbehalten, ist Austragungsstätte für hochkarätige internationale Wettbewerbe, ist eine der modernsten Sprungschanzen der Welt.

»Na sowas!«, sagte ein Tourist. »So eine Perle verbirgt sich hinter diesem Sportstättennamen!«
Dank gebührt natürlich allen Geldgebern, aber nicht jeder Gönnername gereicht dem damit Benannten zum Vorteil. Auch andere Benennungen erweisen sich als fragwürdig.

(3) So beispielsweise das als »Illusorium« bezeichnete Kabinett für Illustrationskunst im Museum auf Schloss Voigtsberg in Oelsnitz/V.

Wer die Ausstellung besucht, um sich »Illusionen« hinzugeben, findet eine Vielzahl künstlerisch hochwertiger, kreativer »Illustrationen« vor (Dudenlexikon: Bildbeigaben zu einem Text).

Der Benennung »Illusorium«, abgeleitet von »Illusion«, gebührt der Sonder-Status »sonderbar«.
Denn laut Dudenlexikon ist die »Illusion« eine beschönigende Selbsttäuschung über einen in Wirklichkeit weniger positiven Sachverhalt.

(4) Eine ehemalige Eisdiele in Auerbach/V. wurde wiedereröffnet, trägt jetzt einen neuen Namen: »Eis Dealer«.

Der dem Speiseeis zugeneigte Wortklauber (Dudenlexikon: »Wortklauberei« - kleinliches Festhalten an der wortwörtlichen Bedeutung) hat wegen Corona-Abstinenz noch nicht testen können, ob die beim »Eis Dealer« angebotenen kühlen Köstlichkeiten geschmackvoll sind und eventuell sogar euphorische (Hitze)Gefühle auslösen.
Aber vermutlich ist der Name doch nur Schall und Rauch. (Duden: »Dealer« - Rauschgifthändler)

Diese vier Beispiele sind Belege dafür, dass bei Namensfindungen semantische Aspekte (Bedeutungselemente sprachlicher Zeichen) nicht ausreichend berücksichtigt werden. Das führt dazu, dass die Namensgebung beim Adressaten nicht den erwünschten Effekt hervorruft.

(1) Das Wort »Weide« im Zusammenhang mit einem Fußballstadion ist eine »Steilvorlage« für Anspielungen, Spöttelei, Verhöhnung.
(2) »Sparkasse Vogtland² mit den Wortbedeutungsmerkmalen »fürsorglich«, »wertsichernd«, »-steigernd«, »regional verankert« ist eine angemessene Bezeichnung für ein im Vogtland ansässiges Geldinstitut. In Verbindung mit dem undefinierten Begriff »Arena« (Sportplatz, Wettkampfstätte, Zirkusmanege) entsteht ein Name, der keinen Hinweis auf den Skisport, auf Beschaffenheit und Bedeutung der Anlage enthält und sich als überregional werbewirksames »Aushängeschild« nicht eignet.

(3) Die Wortschöpfung »Illusorium« verfehlt den Sachbezug, führt zu Irritationen und ständigem Erklärungszwang.

(4) Der (umgangssprachliche) »Deal« wird empfunden als Geschäft an den Grenzen der Rechtschaffenheit oder Legalität, die von einem »Dealer« nach landläufiger Ansicht überschritten werden. Dieses Wort als Werbebestandteil kann die Meinungsbildung über die Seriosität eines Unternehmens beeinflussen, potentielle Kunden fernhalten.
Dr. Frieder Spitzner







Pressebeitrag anlässlich des Tages der deutschen Sprache am 13. September 2014

(Veröffentlicht im Vogtland-Anzeiger am 16.9.2014 unter der Überschrift »Mehr Aufmerksamkeit - hat unsere Sprache das nötig?«)

1998 wurde der »Tag der deutschen Sprache« ins Leben gerufen, um der Sprache mehr Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen. Hat das die Sprache nötig?
Ja, leider. Weil es zu viele selbstgefällige »Größen« gibt, denen es völlig reicht, sprechen zu können. Was sie natürlich auch tun, sogar lautstark, wenn es ihnen in den Kram passt. Dennoch zählen sie Sprache zu den vernachlässigbaren Größen, wenn sie das Wort »Größe« im Zusammenhang mit schriftlichen oder mündlichen »Sprachprodukten« überhaupt in den Mund nehmen. Herablassend reagieren sie auf Sprachenthusiasten, die sich ihrer Meinung nach mit einem »Tag der deutschen Sprache« nur wichtig zu machen versuchen. Wichtig seien doch Faktoren von lebensnotwendiger Bedeutung. Wie die Energiegewinnung, die Schweinemast, die Abfallentsorgung und, ganz klar, der Fußball. Dieser Argumentation muss man selbstverständlich beipflichten - aber nicht, ohne ein despektierliches Gegenargument vorzubringen. Denn wir haben staunend erlebt, dass Sprachliches, beispielsweise ein Sprechgesang der Extraklasse, heutzutage karrieremäßig genauso förderlich ist wie Weltraumheldentaten oder weltmeisterliche Fußballakrobatik. Den Nachweis zu liefern ist ein Leichtes:

Im Vogtland gibt es drei deutschlandweit bekannte, lebende Persönlichkeiten. Sigmund Jähn, Stefanie Hertel, Regina Zindler. Der hohe Bekanntheitsgrad dieser Mitbürger resultiert aus außergewöhnlichen Leistungen. Sigmund Jähn flog als erster Deutscher in den Kosmos. Dafür musste er jahrelang Strapazen aller Art auf sich nehmen, ein hohes Risiko für Leib und Leben eingehen, und er konnte sich des erfolgreichen Ausganges seiner Mission nicht sicher sein.
Stefanie Hertel tourt seit Jahrzehnten singend, tanzend, plaudernd zum Vergnügen ihrer Fans durchs Land.
Aber für einen echten Medienkracher sorgte kurz vor der Jahrtausendwende Regina Zindler. Und womit? Mit einem einzigen gesungenen Wort! Wenn dieses Wort erklingt, horchen sofort alle auf. Der Nutzer des Wortes hat umgehend die Aufmerksamkeit, die sich Lehrer in Klassenzimmern, Professoren in Hörsälen, Politiker bei Wahlkampfauftritten nur wünschen können. Sobald das Wort die Ohrmuscheln erreicht, verändern sich die Gesichtszüge. Einige wenige Mienen verziehen sich missbilligend. Bei den meisten Normalos aber zeigen sich blitzschnell die Lachfalten. Und das Erstaunlichste: Jeder beginnt sofort - als gebe es nichts Wichtigeres unter der Sonne - über Sprachliches zu reden, also über Hochdeutsch und Dialekt, Mundart und Heimatverbundenheit, Walter Ulbricht und die Schwaben. Und das seit über fünfzehn Jahren!

Das zeigt doch deutlich, was wirklich den Status des Großartigen genießt: nicht die überall aufgestellten Grundstückssicherungsgroßserienerzeugnisse mit der markigen Bezeichnung »Maschendrahtzaun«. Dafür interessiert sich niemand. Der Sprechakt dagegen, bei dem der Zaun als dreiteilige Wortzusammensetzung, wellentonartig geformt, den Lippen entweicht, überwältigt und erhitzt die Gemüter.

Bemerkenswert, faszinierend, mitunter erschreckend, zuweilen großartig, was Sprache auslösen und bewirken kann: Medienrummel, Fangetümmel, Gelächter, Hohn und Spott, Diskriminierung. Dem will natürlich niemand mit unbedarften Auftritten Vorschub leisten. Weil man aber nicht so recht weiß, wo die Sprache ihre Stolpersteine ausgelegt hat, wird vorsichtshalber die Sprachbremse getreten. Deshalb lautete die Devise im sächsischen Landtagswahlkampf: selbst den Mund nicht zu voll nehmen, dafür die Münder der Wählerschaft stopfen. Also wurden Versprechungen und sonstiges Blabla reduziert und stattdessen wortarme Bilder aufgehängt und Kekse sowie andere Leckereien verabreicht. Spektakulär sind solche Offerten nicht, aber gehaltvoller als manche Wortgefechte. Und wer erst einmal auf einem Abgeordnetensessel thront, muss sowieso nicht mehr mit rhetorischem Rüstzeug glänzen.

Inzwischen sind die Laternenpfähle entrümpelt und die Naschereien verdrückt. Und Sprachliches - fischt es uns noch an? Schwer zu sagen, ob es wichtig genommen wird. Ob wichtig oder nicht, nützlich ist Sprache. Und sogar pfiffig nutzbar wegen unerschöpflicher und raffinierter Verwendungsmöglichkeiten. Selbst solche Wörtchen wie »an« strotzen vor imponierender Einsatzvielfalt. Schauen wir uns das an: Wer »baggert«, der arbeitet redlich, aber wer »anbaggert«, der benimmt sich unschicklich oder kommt gut an als flotter Typ. Immer mehr Mutige gesellen sich zu den »Anmachern«, die im Wechsel der Jahreszeiten im See »anbaden«, am Sandstrand »anbeachen« und im Gebirge »anwintern«. Das »Anmachen« gewinnt zunehmend an Bedeutung, manch eine Ansprache dagegen rührt niemanden an. Das ist halt so, wenn Sprachbildung nicht angefordert wird, Rhetorikkurse nicht in Anspruch genommen werden. »Sprachler« müssten deshalb, wenn das Ansporn wäre, am Tag der deutschen Sprache »anheulen«. Und darüber hinaus müssten sie immer wieder anfangen aufzuheulen, wenn Schwätzer Aufmerksamkeit beanspruchen und Sprüche klopfen wie:
Für Großes braucht man keine großen Worte.

(Dr. Frieder Spitzner)





Der folgende Text ist ein Beitrag zum »Tag der deutschen Sprache«, an dem jährlich am zweiten Sonnabend im September auf Sprachliches aufmerksam gemacht wird. Veröffentlicht wurde der Text (ohne die letzten drei Sätze) am 14.09.2013 im Vogtland-Anzeiger unter der Überschrift »Die Frauenquote in der Sprache«.

 

 

Vor reichlich 15 Jahren wurde der »Verein Deutsche Sprache« gegründet. Das Anliegen des inzwischen auf über 36000 Mitglieder angewachsenen Sprachvereins besteht darin, die Vielfalt, Ausdruckskraft und Schönheit der deutschen Sprache zu wahren. Deshalb nimmt er Spracherscheinungen der Gegenwart unter die Lupe, deckt Mängel auf, versucht aufzuklären. Seit Vereinsgründung wird vor allem der Missbrauch von Anglizismen angeprangert. Selbstverständlich setzen sich die Sprachfreunde auch mit anderen Auffälligkeiten im Sprachgebrauch auseinander. Der heutige Tag der deutschen Sprache sei zum Anlass genommen, merkwürdige sprachliche Emanzipationsbemühungen aufs Korn zu nehmen.

Natürlich, es zieht uns an, das Weibliche, wie zu Goethes Zeit. Aber im Gegensatz zu den Faustgestalten des 19. Jahrhunderts treiben wir unsere Mädels nicht zur Verzweiflung. Im Gegenteil, heutzutage tragen wir ihnen an, mit uns zu marschieren, und sie dürfen sogar vorangehen. Das ist ein Fortschritt, der unser Menschenbild prägt, erst recht seit der Findung einer neuen Maßeinheit: die Frauenquote. Die muss natürlich auch in der Sprache vorangetrieben werden. Zugegeben, die Einhaltung eines ausgewogenen Verhältnisses von männlichen und weiblichen Anteilen im Sprachgebrauch fällt schwer, selbst im privaten Bereich. Ich muss gestehen, dass mir der Kaffee (maskulin) lieber ist und deshalb öfter Erwähnung findet als die Brühe (feminin). Und der perlende Sekt reizt meine Geschmacksknospen stärker als die blass-träge Milch. Eine Sprachquotenregelung, deretwegen meine Getränkezufuhr auf den Prüfstand müsste, hätte verheerende Auswirkungen auf meine Stimmungslage.

Anders verhält es sich auf einem anderen Sektor. Es ist nicht zu leugnen, dass der Zug nur rollt, wenn die Lok ihn zieht. Dieser weibliche Arbeitsanteil bei der Bewegung nach vorn ist mutmaßlich symptomatisch für die neue Rolle der Geschlechter beim angestrebten Aufbruch in unergründliche Regionen. Dem weiblichen Element im Verkehr gehört der Vorzug. Deshalb steige ich künftig nicht in den Zug, sondern in die Bahn ein und genieße die Zugfahrt.
 

 

 

Seit Angela Merkels Kanzlerschaft (die!) ist das Wort »Kanzlerin« in aller Munde. Für nahezu jeden Beruf, Geschäftsbereich und Qualitätshinweis gibt es inzwischen eine weibliche Komponente. Selbst der Kanzlerbonus wird der gegenwärtigen und darüber hinaus allen künftigen Regierungschefinnen nicht zugemutet. Der Duden gönnt ihnen den Kanzlerinnenbonus. Überhaupt ergänzt der Rechtschreibaufklärer männliche Wortformen mit dem weiblichen Pendant präzise und akribisch. Dem »Kanzleramtsminister« werden, durch Komma getrennt, die gleichen 19 Buchstaben an die Seite gerückt und zusätzlich mit »in« versehen. So wird jedem deutlich, dass ein Amtsschimmel auch weiblich wiehern kann. Bemerkenswert ist, dass immer der Mann zuerst verbucht wird. Denn der Duden reitet bei der Wortlistung uralte Prinzipien. Er schert sich dabei nicht um die Begegnung der Geschlechter auf gleicher Höhe. Vergebens sucht man neben dem Kanzler die Kanzlerin. Sie taucht erst erniedrigende vier Zeilen unter ihm auf (25. Auflage). Dafür aber dominiert die mit zwei Buchstaben zugefütterte feminine Variante breitenmäßig. Dank der Wortverbreiterung verdickt der Duden und nimmt an Gewicht zu. Zunehmend belastet er die Rat Suchenden und wird sich dennoch weiter vervollkommnen. Denn während es die Sittlichkeitsverbrecherin und die Unholdin bereits ins Nachschlagewerk geschafft haben, warten der böse Geist, der Wüstling und der Sündenbock aufs gleichberechtigte weibliche Gegenstück.

Wenn männliches Führungspersonal schlapp macht, droht »Bezeichnungstransvestierung« zugunsten des Weiblichen. Vorreiterrolle spielt die Universität Leipzig. Die Uni liquidiert den männlich schlaffen Titel »Professor« und beruft künftig auch den Herrn Gelehrten zur »Professorin». Ob der so Titulierte bei der Ausübung von Betreuertätigkeit vom akademischen Nachwuchs bald als »Doktorvaterin« oder als »Doktormutter» betitelt wird, war nicht in Erfahrung zu bringen. Manche (meist Männer) bezeichnen eine solche Sprachneuerung als Unsinn (der!). Doch der Männlich-plus-in-Verfahrensweg zur Herstellung völliger Gleichheit hat Perspektive. Er garantiert Wortzuwachs und für die Zukunft: Einsparpotential. Wenn nämlich alles Männliche mit »in« versehen ist und totale Gleichheit herrscht, dann kann »in« ohne Bedeutungseinbußen bedenkenlos eingespart werden. Der Duden wird wieder ansehnlich schlank, bleibt Ratgeber und muss nicht die Wandlung zur Ratgeberin befürchten. Außerdem verlieren die im Zeichen der Jungfrau geborenen Männer die Angst, entmannt zu werden, und die Februar-Frauen bleiben Wassermänner. Und die emanzipierten Männlein und Weiblein reiben sich wieder anderweitig (auf).
Dr. Frieder Spitzner